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Der Krypto-Hype und die Illusion vom risikolosen Gewinn

Finanzmarktkommentar von Dr. Jonas Krettek, Investmentstratege der apoBank | 12.02.2026

Auf einen Blick

  • Kryptos sind weder Währung noch eine eigene Anlageklasse, sondern eine hochspekulative Anlageform.
  • Aufgrund fehlender Cashflows gibt es kein Bewertungsmodell und jede Investition wird zu einem Blindflug.
  • Eine spekulative Nachfrage sorgt für extreme Kursschwankungen.
  • Fehlende Regulierung und operationelle Risiken sind auch für Kleinanleger problematisch.
  • Hoher Energieverbrauch und Nutzung durch kriminelle Akteure werfen ethische Fragen auf.
     

Geld oder Anlageklasse? Weder noch!

Damit etwas als „Geld“ gilt, muss es drei zentrale Funktionen erfüllen: Es muss als Zahlungsmittel dienen, als Wertaufbewahrungsmittel fungieren und als Recheneinheit genutzt werden.

Bei Kryptos spielt die erste Funktion in entwickelten Volkswirtschaften keine nennenswerte Rolle. Lediglich in manchen fragilen Staaten mit geringem Währungsvertrauen oder hoher Inflation wird der Zahlungsverkehr in geringem Maße über Kryptos abgewickelt. In El Salvador, wo Bitcoin 2021 als gesetzliches Zahlungsmittel eingeführt wurde, werden weniger als 5 % der Transaktionen damit getätigt. Die starken Kursschwankungen, teilweise auch innerhalb eines Tages, verhindern, dass Kryptos die beiden anderen Funktionen erfüllen, weswegen sie nicht als Geldform betrachtet werden können.

Daneben gelten Kryptos nicht als Anlageklasse im engeren Sinne, weil sie keine künftigen Zahlungsströme generieren, sondern sind letztendlich eine hochspekulative Anlageform.

Ohne Bewertungsmodell gleicht jede Investition einem Blindflug

Bei Anlageklassen wie Aktien oder Anleihen existieren etablierte Bewertungsmodelle, um einen fundamental „fairen“ Preis herzuleiten. Üblicherweise wird dazu der Gegenwartswert künftiger Zahlungsströme bestimmt: Bei Aktien gelten abgezinste zukünftige Gewinne als fundamentaler Wertanker, bei Anleihen entsprechend die abgezinsten Kuponzahlungen.

Kryptos hingegen erzeugen keine laufenden Cashflows. Ein fundamental begründbarer fairer Preis lässt sich daher nicht bestimmen, was fundierte Investitionsentscheidungen unmöglich macht. Hinzu kommt, dass klassische betriebswirtschaftliche Kennzahlen wie Umsatz, Gewinn oder Verschuldung, die bei der Bewertung von Unternehmen eine zentrale Rolle spielen, bei Kryptos nicht existieren. Sie besitzen weder einen intrinsischen Wert, noch erfüllen sie aus Sicht eines Kleinanlegers eine wichtige Funktion. Damit fehlt dieser Anlageform ein fundamentaler Bezugspunkt, was bedeutet, dass die Preisfindung rein spekulativ getrieben wird. 

Zwar lässt sich argumentieren, dass auch Gold oder Metalle keine laufenden Cashflows erzeugen, doch besitzen sie im Unterschied zu Kryptos einen realwirtschaftlichen Nutzen, Gold etwa in der Schmuckindustrie und Metalle in zahlreichen industriellen Produktionsprozessen.

Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass die Marktpreisschwankungen von Kryptos außergewöhnlich hoch ausfallen. Die spekulative Nachfrage führt zu teils massiven Kursausschlägen – häufig ohne erkennbaren Auslöser.
Die Grafik zeigt die 30‑tägige Volatilität von Bitcoin im Vergleich zum US‑Aktienmarktindex S&P 500 und verdeutlicht, auf welche Schwankungen sich Anleger im Kryptobereich einstellen müssen. Bei anderen, kleineren Kryptos können diese Ausschläge nochmals deutlich extremer ausfallen. Erschwerend kommt hinzu, dass Kryptos in unsicheren Zeiten oft noch stärker fallen als die Aktienmärkte. Deshalb sind sie weder ein sicherer Hafen noch ein verlässlicher Schutz.
Zudem ist die Marktliquidität im Vergleich zu etablierten Anlageklassen deutlich geringer. In Stressphasen lassen sich Positionen daher nur schwer und oftmals nur mit erheblichen Preisabschlägen veräußern. Besonders bei kleineren oder jüngeren Kryptos ist zu beachten, dass viele Projekte rasch illiquide werden und damit faktisch vom Markt verschwinden, was den Totalverlust der Anlage bedeutet. 

Ein speziell beim Bitcoin häufig angeführtes Argument für künftige Preissteigerungen ist die auf 21 Mio. Coins limitierte Gesamtmenge. Aus ökonomischer Sicht sprechen gleich zwei Argumente gegen die Aussicht auf steigende Preise auf der Basis der Angebotsverknappung. Erstens ist diese Information seit der Schaffung des Bitcoins bekannt und spiegelt sich damit längst in den Kursen wider. Zweitens kann sich der Preis bei fixem Angebot nur durch Nachfrageschwankungen ändern. Wenn der Markt sein Interesse am Bitcoin verliert, dann fällt der Preis entsprechend.

Gemäß unserer Anlagephilosophie haben wir potenzielle Kursgewinne und damit verbundene Renditechancen von Kryptos sorgfältig gegen die erheblichen Risiken abgewogen, insbesondere die ausgeprägte Volatilität. Diese Marktrisiken und die strukturellen Bewertungsprobleme sind ein wesentlicher Grund dafür, dass wir im Rahmen unserer langfristig ausgerichteten und auf stetigen Wertzuwachs bedachten Vermögensverwaltung bewusst von Investitionen in Kryptos absehen, weil diese keinerlei Mehrwert versprechen.

Fehlende Regulatorik trifft auf operationelle Risiken

Daneben sind Kryptos erheblichen operationellen Risiken ausgesetzt, ohne dass Anleger dafür kompensiert werden. Aufgrund der bewusst dezentralen Struktur fehlt staatliche oder zentralbankseitige Absicherung – entsprechend mangelt es an Regulierung und Verbraucherschutz, was gerade Kleinanleger trifft.

Zur Verwaltung eigener Coins dienen Wallets, die als digitaler Schlüssel den Zugriff ermöglichen und entweder vom Nutzer selbst oder von Drittanbietern geführt werden. Bei selbstverwalteten Wallets führt der Verlust der Zugangsdaten zum vollständigen Vermögensverlust. Beide Wallet-Arten sind zudem regelmäßig Ziel von Cyberangriffen. So wurde etwa die in Dubai ansässige Börse Bybit im Februar 2025 gehackt. Dabei wurden Kryptos im Wert von rund 1,5 Mrd. US‑Dollar entwendet. Da Transaktionen unwiderruflich sind, bleiben Anleger bei Betrug, Diebstahl oder Fehlüberweisungen ohne Schutz.

Energieintensiv, missbrauchsanfällig und ethisch problematisch

Zwei weitere Punkte sprechen gegen eine Investition in Kryptos: der hohe Stromverbrauch der rechenintensiven Verfahren zur Validierung von Transaktionen und ihre Nutzung durch Kriminelle.

Allein das Bitcoin-Netzwerk verschlingt Schätzungen des Cambridge Centre for Alternative Finance zufolge jährlich rund ein Viertel des deutschen Stromverbrauchs.

Kryptos erfreuen sich aufgrund ihres pseudoanonymen Charakters einer großen Beliebtheit im kriminellen Milieu. Sie werden zur Bezahlung illegaler Geschäfte, zur Geldwäsche und zur Terrorismusfinanzierung genutzt, da ihre Nachverfolgung im Vergleich zu klassischen Bankgeschäften erschwert ist. Eine vielzitierte Studie von 2019 zeigt, dass etwa ein Viertel der Bitcoin‑Nutzer in illegale Aktivitäten involviert  ist, auf die rund 46 % des gesamten Transaktionsvolumens entfallen. Werden solche kriminellen Netzwerke zerschlagen und beschlagnahmte Coins verkauft, kann dies zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugen und die Kurse belasten.

Fazit: Kryptos sind kein Baustein einer nachhaltigen Vermögensanlage

Für unsere Kundinnen und Kunden besteht die Möglichkeit, über die Banking App der apoBank beratungsfrei in Exchange Traded Notes (ETNs) zu investieren, die die Wertentwicklung von Kryptos abbilden. Ein direkter Handel mit Kryptos ist nicht möglich. Wir verweisen in diesem Kontext auf die hohen Risiken bis hin zum Totalverlust.

Extreme Kursschwankungen, fehlende Regulierung und operationelle Risiken wie Hackerangriffe führen zu erheblichen Unsicherheiten. Hinzu kommen ökologische Bedenken aufgrund des hohen Energieverbrauchs sowie die weitverbreitete Nutzung durch kriminelle Akteure.
  
Insgesamt überwiegen die Risiken deutlich gegenüber den Chancen, weshalb wir für unsere Vermögensverwaltung ein Engagement in Kryptos mit Nachdruck ausschließen.

Wer individuell in Kryptos investieren möchte, sollte sich des hochspekulativen Charakters und der Möglichkeit des Totalverlustes bewusst sein.

Für einen verlässlichen Vermögensaufbau empfehlen wir Ihnen unsere langfristig ausgerichteten, breit gestreuten Vermögungsverwaltungsansätze. Unsere Beraterinnen und Berater unterstützen Sie dabei gerne.

Hinweise

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